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Ericeira – Portugal

Portugal war das Reiseziel meiner Kindheit. Bevor ich eingeschult wurde, haben wir jeden Sommer mehrere Monate im Van meiner Eltern an den endlosen Stränden der Atlantikküste verbracht. Der Kontrast zu Nepal könnte nicht größer sein. Aber ist es nicht genau das, was ich an meinem Leben als digitale Nomadin so liebe? In diesem Artikel möchte ich einige Dinge mit euch teilen, die ihr hier auf gar keinen Fall verpassen dürft. 

Ericeira ist eine kleine portugiesische Küstenstadt, etwa 36 Kilometer von Lissabon entfernt. Mit nicht allzu vielen Einwohnern bevölkern Surfer und digitale Nomaden die Stadt. Dementsprechend orientiert sich auch das Angebot: viele kleine, hippe Cafés, Läden und alternative Angebote verleihen dem Ort eine eigene Magie. Ohne großes Nachleben habe ich mich hier sofort heimisch gefühlt – es ist ruhig, man hört den Ozean und kann Leuten aus dem Weg gehen oder gezielt tolle Konversationen suchen. Ich liebe es, wenn beides möglich ist.

Heute, 20 Jahre später, komme ich an den Ort zurück, der mich als Kind mit Freiheit, Sonne und Glück gefüttert hat. Es ist kalt, stürmisch und windig. Es ist der erste Familienurlaub seit vielen Jahren. Heute ist meine Schwester dabei, die damals noch nicht geboren war. Auch der große schwarze Hund, Castor, der uns früher hier hinbegleitet hat, ist nicht mehr hier. Dafür haben wir dieses Mal einen Richback dabei. Meine Eltern sind 20 Jahre älter und auch ich definitiv nicht mehr dasselbe glückliche, unschuldige Kind, das nackt durch den Sand gehüpft ist und Angst vor den großen Wellen hatte. Glücklich bin ich immer noch, unschuldig nicht so sehr, aber Angst vor den Wellen habe ich keine mehr. Heute geht’s aufs Wasser, nicht mehr an den Strand.

Was ich damit sagen möchte: Wir haben uns verändert. Die Landschaft hat sich verändert, weil hier jetzt mehr Häuser stehen. Weil es mehr Funkmasten gibt und weil die Autobahnen ausgebaut wurden. Weil es mehr Windräder gibt und mehr Autos. Aber das Land, das Land an sich, hat sich nicht verändert. Der Atlantik ist immer noch wild. Grau-blau-grünliche nasse Wildnis mit starken Gezeiten und Launen. Die Felsen sind immer noch gelblich-braun-rot, mächtig. Der Sand immer noch sandig. Der Wind immer noch so stark, dass ich mich dagegen stemmen muss. Früher mussten sie mich festhalten, meine Eltern, heute kann ich das allein. Als Kind habe ich hier Plastikröhrchen von Lollis am Strand gesammelt und mit denen gespielt. Alles war voller Müll, heran geschwemmt vom manchmal zornigem Ozean. Heute sind die Strände sauber – und das ist wunderschön. 

Wo wir früher umhergereist sind, bleiben wir dieses Mal an einem Ort. Ericeira hat mit die besten Surfstrände der Welt und ich muss gestehen – die Konditionen hier sind hervorragend. Nach meinem sehr unbefriedigenden Erlebnis in Mexiko, Mazunte, wo mich das Meer mit jeder Welle gefressen und am Strand wieder ausgespuckt hat, ist das hier wirklich wunderschön. Natürlich nichts im Vergleich zu Costa Rica, wo ich ohne Neopren den ganzen Tag im Wasser verbracht habe, denn: Das Wasser hier ist kalt, unangenehm eiskalt. Und weil das Wasser so kalt ist und der Wind zu stark, habe ich mich direkt nach der gestrigen Surfing-Session astrein erkältet. Deswegen halte ich den heutigen Artikel kurz und möchte ich 5 tolle Dinge mit euch teilen, die ihr euch hier auf jeden Fall ansehen solltet.

1. Wer es bis jetzt noch nicht versucht hat, versucht es hier. SURFEN! Nehmt euch eine Stunde und probiert es einfach mal aus. Ich schwöre, nichts geht über die Endorphine, die ihr ausschüttet, wenn euch die Welle mit nimmt. Es gibt hier sehr viele Surfschulen, aber ich möchte euch gerne eine empfehlen: NaOnda Escola de Surf e Board Rental am Foz do Lizandro, ein unglaublich toller Strand etwas außerhalb. Die Lehrer sind der Wahnsinn und mit 30€ alles inklusive seit ihr 90 Minuten auf dem Wasser und habt Transport + Equipment mit inbegriffen.

2. Spaziergang am Magoito beach. Wenn hier Ebbe ist, könnt ihr kilometerlang den Strand entlang wandern. Mit den beeindruckenden Klippen auf der linken Seite fühlt man sich zwischen dem wilden Meer rechter Hand ganz klein und unbedeutend. Ein tolles Gefühl! Neben kleinen Gezeitenbecken, die zum Entdecken der heimischen Meeresflora und Fauna einladen, könnt Ihr hier an windigen Tagen stille Ecken zum Sonnenbaden finden. Doch Vorsicht! Wenn die Flut wieder kommt, kann es sein, dass euch der Rückweg für eine zeit lang abgeschnitten wird. Ein tolles Abenteuer.

3. Wenn man schon mal da ist, lohnt es sich auch auf jeden Fall mindestens einen Nachmittag lang die Altstadt von Ericeira zu entdecken. Mit vielen winzig kleinen Lokalen in den schmalen Gassen hat man immer mal wieder den Ausblick auf den wilden Atlantik zwischen den weißen Häusern mit den blauen Fensterläden. Wenn du mit offenen Augen durch die Stadt läufst, findest du immer wieder ganz besondere Details wie exotische Fließen an den Fassaden, Löwenkopf-Türöffner und Muschelschmuck in den verputzten Fensterbänken.

4. In einem Freelancer Café oder Co-Working-Space die Seele baumeln lassen. Das Allererste, was ich tue, wenn ich an einem neuen Ort ankomme und noch niemandem kenne. In einem Hostel wie dem Aktion Hostel ist das natürlich kein Problem. Für digitale Nomaden gemacht, findest du neben einem großen Küchenbereich überall Steckdosen und hervorragendes WLAN. Wenn du das in deiner Unterkunft allerdings nicht gegeben hast, lohnt es sich, die kleinen Cafés zu erkunden und neben tollem Kaffee auch noch tolle Leute kennenzulernen, während du deine Arbeit ganz nebenbei erledigst. 

5. Auch für alle, die nicht so gerne in Cafés abhängigen oder sich auf dem Surfboard durchspülen lassen: Neben einem riesigen Naturschutzgebiet, das zum Wandern einlädt, befinden sich mehrere UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe von Ericeira. Einfach mit dem Bus (oder noch einfacher, mit dem Auto) erreichbar, können Kulturliebhaber hier eine Menge entdecken.  Mafra (10 km) hat einen atemberaubenden Nationalpalast aus dem Barock zu bieten, Sintra (20 km) mit vielen kleinen verspielten Gässchen und Märchenschlössern und Óbidos (65 km) mit einer mittelalterlichen Stadt und einer tollen Stadtmauer, auf dem man entlang balancieren kann.

Letztendlich ist es, kurz gesagt, traumhaft. Auch wenn das Wetter wirklich kalt ist und der einzig warme Platz das Auto darstellt, liebe ich den wilden Ozean mit den großen Wellen und die wilde Landschaft. Lasst es mich wissen, falls es noch Fragen gibt! 

3 thoughts on “Ericeira – Portugal”

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