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Maskenball

Die Maske tanzt, präsent in jedem Gesicht, und sie bleibt bis jemand das Schweigen bricht. Ob einer oder die gesamte Masse ist nicht relevant bleibt doch jeder gerne unerkannt. Surft anonym im Netz und bestellt was er braucht weil soziale Interaktion viel zu sehr schlaucht. Ein Geschenk in einer Gesellschaft in der sich jeder gerne verkleidet und dabei vergisst wie sehr er eigentlich leidet. Vergiss wer er war bevor der Konsum ihn konsumierte und den Charakter bis in Unerkenntliche verschmierte. So sehr verwischt, entstellt und neu modelliert bis jeder Mensch die elementare Individualität verliert. Doch das ist nur einer von vielen Aspekte denn eigentlich gehts um das was die Masken nicht verstecken.

Eisberge und Dschungelbaumkronen, Tiefseegräben und einsame Brutzonen vergoldet und vom Kapitalismus verschlungen. Transformiert in Sachen, die keinen mehr glücklich machen, keinen ernähren und auch kein Leben mehr schenken und nur nehmen und nehmen um geschickt zu distanzieren vom reflektierten Denken. Vielblättrige Wunderwerke, kristallklare Blütenknospen vernichtet und ersetzt mit reichlich Flugkosten um dem Leben zu entfliehen das eigentlich ist aber trotzdem nur zeigen was unser System frisst. Denn dort, in all den exotischen Ländern die uns manchmal zum besseren verändern, uns unseren Konsum überdenken lassen und aufzeigen dass die Masse kein Teil unserer Klasse ist. Wir sehen was unser Reichtum wirklich kostet: Armut, Zerstörung und eine Gesellschaft die rostet bevor sie überhaupt erblüht und die den Sommer der Welt niemals erlebt. Unser Nordpol schmilzt und die Weltmeere steigen, unsere Lunge zerfällt und kaum einer kann noch die Hitze meiden. Ein Prozess in unsere Stratosphäre, viel zu fern und doch zu nah, der uns vom All separiert und unser Ökosystem austariert. Undefinierte Leeren lauern außerhalb der Mauern die das Ozon so ausdauernd dort draußen hält damit das Wunder Leben in unserer Welt eine zweite Chance erhält. Und was tut’s, das was wir Wunder nennen: Nichts als glorreiches Verenden hinter einer Maske, quasi undercover, ganz geheim sicher vor jedem Keim der uns an Freude, Toleranz und Liebe erkranken lässt und damit das gemütliche Nest aus Misstrauen, Angst und Rassismus zerstört das heutzutage standardmäßig zum Inventar gehört.

Die Maske versteckt nicht die alltägliche Gewalt so normal dass von jeglicher Dunkelheit befreit und jeder sieht aber keiner reagiert und obwohl jeder weißt fehlt vor Gericht jeder Beweis. Stumme Schreie hinter so viele Türen die alle berühren aber keinen bewegen denn – Jeder hat doch sein eigenes Leben. Verzweifelte Frauen und verprügelte Kinder genauso gestraft wie Millionen Rinder fallen sie einem System zum Opfer das gerne in nur eine Richtung marschiert und dabei niemals mit dem Schwächsten agiert. So viele Frauen in so vielen Ländern dürfen nichts sprechen und nichts verändern unterdrückt von Männern deren Lebenslauf sich in einem deckt: Als Kind unterm Rock der Mutter versteckt. Und selbst dort wo Politiker versprechen: Hier ist Gleichberechtigung ganz groß ziehen wir Frauen finanziell immer noch das schwächste Los. Auch hier im ach so kultivierten Land bringt mich das immer noch vorhandene Patriarchat um den Verstand denn ich zahle nach wie vor die Periodensteuer und wenn ich frei blute ist’s auch dem gebildetsten Mann nicht geheuer. Und dann geh ich raus und ich bekomme zu hören: Hey Süße, darf man dich stören? Du siehst so verloren aus, ich begleite dich nach Haus. Ich sag dann dreimal nein und er geht einfach nicht und aus Angst laufe ich nur noch im Licht. Und wenn dann doch mal was passieren sollte heißt es wieder dass sie es eigentlich wollte. Warum war sie denn alleine und warum hatte sie so glatte Beine? Warum war der Rock so knapp und warum die Gegenwehr so schlapp? Zurück bleibt ein Mädchen, traumatisierte, das Selbstbewusstsein kollabiert. Und dann kommt einer, hinterzieht Steuern und betrügt den Staat und der Staat der bestraft nur wenns ums Geld geht wirklich hart. Denn das ist das Einzige was im System wirklich zählt – mehr und mehr davon dass man den Politiker auch wieder wählt. Doch woher des kommt interessiert keinen mehr denn Gewehr, Granate und Panzer kann man ja liefern an die Kleinen wo’s uns doch weltpolitisch echt gefällt wenn die in ihren Kriegen kalt gestellt und sie ja nicht mit dem Gedanken spielen dass sie ja eigentlich auf die Falschen zielen. Die Make versteckt nicht dass wir einander immer noch nach Hautfarbe, Religion und Herkunft beurteilen und egal wie viele Zeilen versuchen zu erklären dass wir alle eines sind sind die meisten nach wie vor so blind und geleitet von einer Angst die nur einem nützt: Einem System dass sich auf soziale Ungleichheit stützt.

Und all die Phantasie die einst unsere Welt belebte sie wir absolviert von einer Realität so klein skaliert dass sie in unsere Tasche passt und eine Welt in einer Welt aufbaut in der keiner keinem mehr vertraut. In der Interaktion unschicklich ist und keiner keinen mehr vermisst. Warum in kleine Kästchen starren in denen sich nur Lügen scharren wenns hier, direkt vor dir, eine Welt gibt die vor unentdeckten Wundern nur so explodiert und das alles komplett uncodiert. Ja richtig, weil wir einfach gerne Lügen schlucken, sein wollen wie die Masse, in andere Leben gucken und dabei genau das tun was ich hasse: das ultimative Aufgeben des individuellen Lebens um ins Konstrukt zu passen auf immer und ewig und es niemals mehr zu verlassen. Und der der anders handelt, außerhalb der Grenzen wandelt wird für verrückt und seltsam erklärt. Aber eins ist ganz sicher: keine Mensch ist ein Problem. All die Heimatlosen, all die Kranken, all die Schulschwänzer nur Symptomträger im System. Die Maske versteckt nicht die unsichtbare Schuld in jedem Gesicht. Jeder, der nach draußen geht und die nächste Nahrungskette erspäht weiß doch was das Tier durch macht dessen Fleisch als günstigster Verkaufknüller kracht. Jeder weiß wie sehr diese Wesen leiden, eingepfercht nicht mal auf Weiden, niemals draußen und das einzige Sonnenlicht dass sie jemals berührt wohl im Laster der sie zum Schlachthof führt. Und wieder einmal zeigt sich unzensiert dass der Mensch nicht akzeptiert dass es nicht die UM – sonder die MITwelt ist in der wir leben und wie Teil von etwas sind das größer ist das du und ich – die Kraft der Natur und der Druck der Evolution der über allem steht und immer seine Richtung geht. Daran können auch wir nichts ändern egal in die vielen Ländern wir noch die Flüsse verschmutzen, Wälder und deren Bewohner ausnutzen, Dinge zerstören die den wirtschaftlichen Wachstum blockieren bis wir schließlich alles verlieren. Bis alle Bäum gestorben und alle Felder brach liegen, die Ozeane leer und der Himmel verschwiegen, Seuchen gewütet und Kriege verloren, nichts mehr brütet und alles tot geboren doch dann sind wir sicher auch nicht mehr da und eine neue Ära, frei von Hass, Gewalt und Gier beginnt und vielleicht kommt es dann zurück, das Getier, das wir so konsequent ausgerottet und dabei unsere eigene Herkunft verspottet. Ja, die Welt ist schlimm doch da kann die Welt nichts dafür es ist der Mensch mit deinem nicht vorhandenen Gespür der sie halt kalt und grausam macht in einer Nacht die mit mehr Feinstaub nicht mehr endet und dann endgültig kein Leben mehr spendet.

Die Maske tanzt, präsent in jedem Gesicht, und die bleibt bis jemand das Schweigen bricht.

6 thoughts on “Maskenball”

  1. Ganz wunderbar geschrieben und gesprochen. Eine tolle und beeindruckende Darbietung. Solange es noch solche aktiven Rini’s gibt, ist die Welt ja nicht verloren 🙂 Viele liebe Grüße, Monika

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